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Azubi von Haustechnik Häuser ist „App-Champion des Handwerks“

Es ist nicht alltäglich, dass ein Auszubildender einen Award gewinnt. Schon gar nicht für ein digitales Tool. Tobin Rosenau, Auszubildender als Anlagenmechaniker Heizung und Klima bei Haustechnik Häuser im mittelhessischen Bischoffen, ist dies gelungen: Für seine eigenentwickelte App zur Verwaltung der Kundenstammdaten wurde er als „App-Champion der Kategorie Handwerker 2016/17“ in Gold ausgezeichnet.

Die Siegerehrung fand im Rahmen der Vollversammlung der Handwerkskammer Wiesbaden statt. Ausgelobt wurde der Award von der Hochschule Heilbronn, Innovationsberatern der Handwerkskammern, verschiedenen Handwerksmeistern und der App-Agentur econsor mobile.

Wir sprachen mit dem Gewinner Tobin Rosenau und Geschäftsführer Jörg Häuser über die App.

Herr Rosenau, erst einmal herzlichen Glückwunsch! Um was für eine App handelt es sich? Wo wird sie in Ihrem Betrieb eingesetzt?

Vielen Dank. Wenn wir beim Kunden vor Ort sind, erstellen wir immer ein Kundenstammdatenblatt. Normalerweise haben wir das händisch auf Papier gemacht. Das hatte zur Folge, dass Kundendatenblätter oftmals verloren gingen, bevor sie im Büro digital erfasst wurden, oder dass man die Schrift nicht lesen konnte usw. Ich habe eine App entwickelt, mit der alle wichtigen Daten, wie der Anlagenhersteller, Seriennummern und einiges mehr, direkt vor Ort beim Kunden aufgenommen werden. So kann bei der nächsten Wartung oder in einem Notfall das für das Modell benötigte Material direkt mitgenommen werden. Die Infos werden per E-Mail in unser Backoffice geschickt, wo sie direkt im System verarbeitet werden.

Was war die Motivation? War erst die App da oder erst der Wettbewerb?

Ich habe im Unternehmen ein neues Projekt gesucht. Ich programmiere normalerweise privat. Ich fand die Herausforderung spannend, was wirklich Sinnvolles für den Betrieb zu entwickeln.

Dann las meine Mutter in der Handwerkerzeitung, dass man Apps zum Award einschicken kann, die im Unternehmen verwendet werden. Unsere App hat schließlich die Jury überzeugt und wir hatten zudem die meisten Likes auf Facebook. So haben wir gewonnen!

Herr Häuser, gibt es mehrere dieser Projekte in Ihrem Betrieb?

Ja, wir setzen seit einiger Zeit auf die digitale Unterstützung unserer Arbeit. So haben wir ein ausgeklügeltes Erreichbarkeitssystem entwickelt, mit dem wir für unsere Kunden fast durchgängig erreichbar sind. Nicht nur werden die Anrufe an mein Handy weitergeleitet, sondern ich kann auch sehen, wenn bei uns jemand an der Tür klingelt, und mit ihm von überall aus sprechen. Auch gleicht das System eine eingehende Nummer mit unseren Kundendaten ab, sodass ich den Kunden direkt mit Namen ansprechen kann.

Unser neuestes Projekt: Wir befassen uns mit der Thematik Smartphone-Automation. Hier gibt es im Bereich Smart Home das Problem, dass es viele Systeme gibt, die nicht auf einem Smartphone-Betriebssystem laufen. Wir möchten eine Anwendung entwickeln, die es möglich macht, alle Smart-Home-Anwendungen in einem zentralen Dashboard zu verwalten.

Unser Kalender ist natürlich auch digitalisiert. Alle können alle Termine sehen, und wir wissen immer, wer auf welcher Baustelle ist.

Außerdem benutzen wir vielfältige Apps der Hersteller. Natürlich auch die R+F App. Besonders begeistert sind wir vom App-Atlas. Da kann jeder Handwerker die für ihn wichtige wählen, ganz gleich, ob es um Werkzeuge geht oder die Ersatzteilbestimmung. Alle wichtigen Daten sind sofort parat.

Welche Bedeutung hat der Award-Gewinn für den Erfolg Ihres Unternehmens?

Auf jeden Fall hat er uns einen Impuls gegeben, noch mehr in Richtung Digitalisierung zu gehen – auch in der Außenvermarktung. So veröffentlicht das Social-Media-Balloon-Team der Hochschule in Heilbronn in Kürze alles rund um die Preisverleihung, die letzte Woche stattfand. Die Veranstaltung wurde live über Snapchat gestreamt und auf Facebook gibt es Fotos. Das hat uns übrigens dazu motiviert, auch eine Fanpage zu erstellen. Sie ist schon in Arbeit. Wir überarbeiten aktuell zudem unsere Website.

Wir lesen übrigens Ihren fhd-Blog und nutzen ihn regelmäßig, um uns in puncto Digitalisierung im Handwerk auf dem Laufen zu halten.

Nutzen Sie auch andere digitale Tools?

Heutzutage sind alle Heizungsanlagen webbasiert. Sie sind direkt mit dem Internet verbunden. Der Heizungsbauer sieht so sofort, wenn etwas nicht stimmt. Wir können dann direkt proaktiv agieren und den Kunden darauf ansprechen. Aktuell beschäftigen wir uns auch mit Alarmanlagen, die wir in unser Portfolio im Rahmen von Smart Home integrieren möchten.

Welche Vorteile ziehen Sie in Ihrem Unternehmen aus der Digitalisierung?
Digitalisierung unterstützt uns vor allem in den administrativen Bereichen. So können wir uns auf unsere handwerklichen Kernkompetenzen konzentrieren und erhalten insgesamt eine bessere Kostendeckung. Davon profitiert indirekt auch der Kunde.

Ich muss sagen, dass ich erst skeptisch war, vor allem in Bezug auf Social Media. Aber ich bin mittlerweile überzeugt, dass wir da nicht drum herum kommen. Der Kunde von heute erwartet das von uns. Unser Ziel: das klassische Handwerk mit der Digitalisierung zu verknüpfen. Also das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.

Herr Rosenau und Herr Häuser, vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Haustechnik Häuser

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