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Stichwort BIM – so steht es gerade um die digitale Zusammenarbeit am Bau

Wir haben bereits hier darüber berichtet: Noch im April 2017 wussten von knapp 600 befragten Handwerkern nicht, worum es sich bei BIM (Building Information Modeling) handelt. Lediglich 5 Prozent hatten über ihre Handwerkskammern oder die Fachpresse davon gehört. Sich konkret mit BIM befasst oder bereits damit gearbeitet hatte niemand.

Was ist BIM?

BIM bedeutet ins Deutsche übersetzt „Gebäudedatenmodellierung“. Es handelt sich dabei um eine digitale Planungsmethode für Bauprojekte jeder Art. Es ist nicht, wie oft angenommen wird, eine Softwarelösung. Die mit BIM einem Bauprojekt zugrunde liegenden Planungsdaten bieten allen Beteiligten – je nach Zuständigkeit und Berechtigung – die Möglichkeit, sowohl technische als auch Ablaufaspekte eines Projekts zu erfassen, einzusehen und zu verändern. Das gilt

  • vom ersten „Federstrich“ vor Baubeginn
  • über die Koordinierung und die übergreifende Zusammenarbeit
  • bis hin zu Facility Management
  • und letzten Endes zum Abbruch und Recycling sämtlicher Bestandteile und Materialien eines Bauwerks.

Also: BIM ist keine Software, sondern digitales Planen. Aber: Software für Planer, Bauunternehmen, Facility Manager und Handwerksbetriebe (!) kann BIM-fähig sein! Deshalb ist BIM ein umfassendes Digitalisierungsthema, das die nahtlose Zusammenarbeit aller Beteiligten in allen Stufen eines Bauprojektes ermöglicht und deren Produktivität steigert!

Warum ergibt BIM Sinn?

Bauherren müssen immer mehr Anforderungen des Gesetzgebers und der Baubehörden erfüllen. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, Herkunft und CE-Zertifikate der beim Bauen verwendeten Materialien bzw. Produkte müssen (jederzeit nachweislich) berücksichtigt werden. Mit BIM greifen Architekten, Statiker, Bauzeichner, Hersteller und umsetzende Bau- bzw. Handwerksbetriebe auf ein gemeinsames digitales Modell des Projektes zu.

Konflikte oder Probleme lassen sich so viel einfacher schon vor Baubeginn erkennen, lösen oder vermeiden. Notwendig werdende Änderungen in der technischen Planung oder Ablaufplanung können so rechtzeitig erfolgen. Teure Stillstände und nachträgliche Änderungen werden vermieden.

In BIM-basierten Bauprojekten stecken für jeden beteiligten Handwerker wertvolle digitale Informationen. Diese sind beispielsweise hilfreich für die Kalkulation der benötigten Materialmenge. Elektrohandwerker können die Struktur der Verkabelung in den Plan einbauen, SHK-Betriebe Rohrleitungen und Anschlüsse hinzufügen. Maler bzw. Trockenbauer sehen, welche Anforderungen an Farben oder sonstige Materialien gestellt werden. Auch sie können anhand der einsehbaren Raumaufteilung ihren Aufwand genauer kalkulieren.

Wie ist es derzeit um BIM in Deutschland bestellt?

In anderen Ländern Europas ist die Planung mit BIM bei öffentlichen Projekten bereits Pflicht. In Großbritannien, den Niederlanden und Finnland beispielsweise ist BIM bei Großprojekten und Bauvorhaben der öffentlichen Hand verbreitet im Einsatz. In Deutschland sollen öffentliche Bauvorhaben ab 2020 verbindlich mit BIM geplant und ausgeführt werden.

Ist BIM bereits im Handwerk relevant?

Ja! Wie sich BIM in der Praxis eines Handwerksbetriebs auswirkt, können Sie online auf http://bim-praxis.de erfahren. Die Zimmerei Sieveke arbeitet seit Jahren mit Bauwerksinformationsmodellen und erzählt Schritt für Schritt und detailliert über die dort gelebte BIM-Praxis anhand eines im Jahr 2016 konkret umgesetzten Bauprojektes. Sie können die Aspekte dieses Praxisbeispiels auf die Situation Ihres Betriebs und auf Ihre Prozesse übertragen.

Foto: © eric /strock.adobe.com

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