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Das erste Einfamilienhaus aus dem 3-D-Drucker – (k)ein Traum!?

Fertighäuser sind nichts wirklich Neues. Aus individuell geplanten und dennoch industriell vorgefertigten Teilen angelieferte und schnell aufgebaute Eigenheime kennt man schließlich schon lange. Aber die Digitalisierung ermöglicht bereits den nächsten Schritt: Gebäude aus dem 3-D-Drucker.

Im Juli dieses Jahres wurden im französischen Nantes die Wände eines Einfamilienhauses in nur 54 Stunden „gedruckt“. Der Prototyp entstand in Zusammenarbeit zwischen der Stadt, einer Wohnungsbaugenossenschaft und der Universität Nantes.

Bereits vier Monate nach Fertigstellung des „Rohbaus“ konnte eine vierköpfige Familie in das knapp 100 Quadratmeter große Haus mit vier Schlafzimmern, Wohn-, Ess- und Küchenbereich und Badezimmer einziehen. Kostenpunkt 176.000 Euro, somit nach Angaben der Erbauer ca. 20 Prozent günstiger als ein mit konventionelleren Methoden erstelltes Haus.

Projektziele

Ein großer Unterschied zu herkömmlichen industriell gefertigten Häusern: Ein wesentlich vielfältigeres und kreativeres Design ist möglich, das keinen (negativen) Einfluss auf die Kosten der Erstellung hat. Die Wände des hier vorgestellten Hauses haben teilweise Bogenform.

Nach den Erfahrungen mit dem Prototyp lautet die Prognose des Projektteams für den nächsten Bau: Der Ausdruck soll dann schon in etwas mehr als 30 Stunden gelingen.

Aber wird dieses Projekt die Bauwirtschaft revolutionieren? Der bei der Stadt Nantes für Technologie und Innovation Verantwortliche, Francky Trichet, ist davon überzeugt. Seiner Meinung nach ist dieses Projekt ein „Wake-up Call“ für die private Bauwirtschaft und der Startschuss für eine neue Ära. Er sagt, dass man mit diesem Projekt herausfinden wollte, ob sich diese Bauweise in größerem Maßstab im städtischen Wohnungsbau einsetzen lässt und ob das Prinzip auch auf andere kommunale Bauvorhaben, beispielsweise Sporthallen, übertragbar ist.

Das Haus wurde in einem sozial schwachen Wohngebiet im Norden von Nantes errichtet und teilweise von der Stadt finanziert. Nordine und Nouria Ramdi samt ihren drei Kindern sind froh darüber, dass sie als Bewohner für das Projekt ausgewählt wurden. „Wir haben vorher in einer städtischen Wohnung aus den 60er-Jahren gewohnt. Das ist für uns schon eine große Veränderung“, so Nordine Ramdi in einem Bericht des britischen Senders BBC. „Es ist toll, in einem frei stehenden Haus mit Garten zu leben!“

„Ausbaufähige“ Technologie

Das 3-D-Haus wurde von einem Team aus Architekten und Forschern entworfen und in den Drucker programmiert, den man dann zur Baustelle brachte. Der Aufbau erfolgt stufenweise von unten nach oben. Jede Wand besteht aus zwei getrennten Schichten Polyurethanschaum als Isolator. Der Hohlraum dazwischen wird zur Stabilisierung mit Zement verfüllt. Das Ergebnis ist eine dicke, isolierte und voll tragfähige Wand. Danach werden Dach, Fenster und Türen wie gewohnt eingebaut und – voilà – das Einfamilienheim steht.

Geistiger Vater des Projektes war Benoit Furet von der Universität Nantes.

Furet ist der Ansicht, dass es innerhalb der nächsten fünf Jahre möglich sein wird, die Kosten für derartige Gebäude auch bei Einhaltung der geltenden Bauvorschriften um weitere 25 Prozent zu senken. Für einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren prophezeit er gar eine Kostensenkung von bis zu 40 Prozent.

Er begründet dies mit Skaleneffekten durch die Verbreitung und Weiterentwicklung der Technologie. Außerdem, so Furet, werden Architekten deutlich kreativer arbeiten können. Sie sind in der Formgestaltung 3-D-gedruckter Gebäude wesentlich freier und können auf Aspekte des zu bebauenden Grundstücks oder Wünsche der Bauherren besser eingehen. Das Haus in Nantes konnte so beispielsweise um die rund 100 Jahre alten Bäume auf dem Grundstück herumgebaut werden.

Die gewählte Form verbessert in diesem Fall auch die Belüftung des Hauses und hilft, Heizenergie zu sparen. Ebenfalls berücksichtigt wurden von Anfang an Barrierefreiheit und ein Smart-Living-Konzept: Die Haustechnik ist vollständig via App und Smartphone steuerbar.

Der Umweltgedanke kommt übrigens nicht nur durch die Energieeffizienz im „Betrieb“ zum Tragen: Durch die digitale Planung UND Erstellung mit genau der benötigten Materialmenge gab es im Vergleich zum konventionellen Bau weniger Abfälle, beispielsweise durch Materialverschnitt.

Das ist erst der Anfang

Die Story geht übrigens weiter: Derzeit arbeitet Benoit Furet bereits an einem Projekt mit 18 zu druckenden Häusern im Norden von Paris. Außerdem entsteht gerade ein Firmengebäude mit einer Fläche von rund 700 Quadratmetern. Da wird es noch einiges zu berichten geben!

Ein Video der BBC zeigt, wie der Druck des Einfamilienhauses in Nantes vonstattenging.

Foto: ©jean song / stock.adobe.com

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